Spreewald-Tour


Der Spreewald - Ein riesiges Gebiet vollendeter Natur.

 

Zeit hier mal eine Tour zu unternehmen.

Unser Plan ist es, vom Spreewald bis zum Rand von Berlin zu wandern. Genau genommen bis nach Königs Wusterhausen.

Es sind ca 60 Km die vor uns liegen. 30 Km pro Tag sollten eigentlich zu schaffen sein.

Aber wie so oft im leben, kam alles mal wieder anders.


Unsere Tour beginnt am Bahnhof Lichtenberg in Berlin. Von hier können wir mit der Regionalbahn bis in den Spreewald fahren. Wir haben uns das Städtchen Lübben als Startpunkt ausgesucht.

Um dort auch Problemlos anzukommen, benötigen wir Fahrkarten. Mit Schrecken und nur Widerwillig zahle ich das Ticket für Kira. 7,50 € für einen Hund! Stolzer Preis liebe Bahn!

Aber wer das eine will, muss das andere mögen.

Wir sind natürlich viel zu früh am Bahnhof und müssen jetzt noch eine gute halbe Stunde auf den Zug warten.

Als der Zug dann kommt, ist er sehr viel kürzer als gedacht und wir am falschen Ende des Bahnsteigs. Also erst mal ein wenig Frühsport. Zum Glück habe ich ja keinen schweren Rucksack auf dem Rücken.

 

Die Fahrt verläuft Reibungslos und Kira liegt brav vor meinen Füßen. In Lübben angekommen, ist sie natürlich super aufgeregt. Wo hat mich das Herrchen jetzt wieder hingebracht?

Wir machen uns also auf dem Weg, die Hauptspree zu finden. Es geht an einem Getränkemarkt vorbei in Richtung eines kleinen Parks.

An diesem liegt die Berste, die uns zur Hauptspree führt. Auf dem Weg dahin, werden wir gleich mal mit einem großen Schrecken konfrontiert.

Als wir so auf dem Gehweg spazieren, sehe ich aus dem Augenwinkel einen Fahrradfahrer der das Gleichgewicht verliert. Es ist ein älterer Herr, der auch direkt neben uns sehr unsanft auf dem Gehweg stürzt.

Das sah überhaupt nicht gut aus. Ein anderer Passant hilft dem Mann auf, während ich Kira kurz an einen Baum binde. Der Mann hat eine dicke Platzwunde an der Schläfe erlitten, die auch ordentlich blutet.

Hilfe will er zunächst nicht und ist auch sichtlich geschockt. Nachdem ich mich wiederholt nach seinem Wohlbefinden erkundige und frage ob ich einen Arzt rufen soll, lehnt er ein weiteres Mal ab.

Mit schlechten Gewissen nehme ich Kira und wir machen uns weiter auf den Weg. Ein paar Meter weiter ruft der Mann mir dann doch hinterher, ob ich ihm bei seinem Fahrrad helfen könnte. Dieses hat irgendeinen Schaden davon getragen und funktioniert nicht mehr so ganz.

Also repariere ich ihm sein Fahrrad, während wir uns ein wenig unterhalten. 95 Jahre ist der gute Herr schon alt.

Er entschuldigt sich mehrmals bei mir und ich weise ihn darauf hin das es dafür überhaupt keinen Grund gibt.

Als das Fahrrad wieder fahrtüchtig ist, gebe ich ihm noch ein Taschentuch für die Wunde und verabschiede mich. Was für ein Anfang.

 

Als wir dann an der Berte angekommen sind, der nächste Schreck. Es ist nicht möglich direkt am Fluss entlang zu laufen. Das passt ja so gar nicht in meinen Plan und ich hoffe dass wir mehr Erfolg haben, sobald wir aus der Stadt sind.

Dazu müssen wir jetzt erst mal durch eine Kleingartenanlage. Nach dieser, so wird uns von einem Bootskapitän gesagt, kommen wir direkt zur Hauptspree. Was soweit auch stimmt. Dazu überqueren wir 2 große Brücken, die uns sowohl über die Berste als auch die Hauptspree zu einem Wanderweg bringen.

Und hier ist ordentlich Betrieb!

Ein Fahrradfahrer nach den anderen. Dafür das wir mitten in der Woche auf Tour sind, schon bemerkenswert.

Sind schon wieder Ferien? Aber die Stelle an der wir auf den Wanderweg gelangen, muss ein Knotenpunkt sein. Nach einigen hundert Metern beruhigt sich der ganze Verkehr ein wenig.

Ihr solltet dennoch sehr aufmerksam sein. Nicht alle Radfahrer sind sich über eine Klingel am Rad bewusst.

Die Hauptspree verläuft parallel zum Wanderweg und Kira ist natürlich immer wieder im Wasser. Der Abstand zwischen Fluss und Wanderweg ist recht groß.

Direkt an der Hauptspree lang laufen deshalb so gut wie unmöglich, da es einfach viel zu bewachsen ist.

Was mir schon ein wenig die Laune vermiest. Das haben wir uns anderes vorgestellt.

Stattdessen führt uns der Weg immer wieder weit vom Fluss weg und wir durchwandern mehr Wald, als wie vorgenommen Flussufer. Was sich auch in der Länge der Strecke bemerkbar macht. Während die Strecke direkt am Fluss sehr viel kürzer gewesen wäre, laufen wir jetzt immer wieder große Bögen.

Aber egal. So ist es jetzt nun mal.

 

Was positiv auffällt, ist die ausreichende Beschilderung der Wanderrouten. Verlaufen ist hier quasi gar nicht möglich. Unser erstes Etappenziel heißt Schlepzig und ist gut 11 Km von Lübbenau entfernt.

Nachdem wir ein etwas größeres Waldgebiet durchlaufen haben, führt uns der Weg an viele kleine Seen vorbei.

Die meisten davon werden ausschließlich für die Fischerei verwendet. Für Kira gibt es dennoch genug Möglichkeiten jeden einzelnen See anzubaden. Was sie natürlich wieder einmal mit voller Leidenschaft tut.

Kurz vor Schlepzig machen wir am letzten See eine Rast. Was bedeutet, dass ich mich ausruhe und Kira weiterhin im Wasser spielen will. Während ich da also sitze, höre ich schon wieder ein knallen und ein Schrei.

Der nächste Fahrradunfall!

Diesmal ist ein Pärchen ineinander gerasselt. Er wollte wohl abbiegen und Sie war mit den Augen woanders. Zumindest entnehme ich das dem Streit. Da sich beide anscheinend nicht verletzt haben, schnalle ich mir wieder den Rucksack auf und wir machen uns auf dem Weg nach Schlepzig.

Mich packt auch langsam der Hunger und ich habe nicht wirklich etwas mitgenommen, da ich mich auf die kleinen Dörfer und deren Gastronomie verlasse.

Am Ortseingang von Schlepzig sehen wir auch gleich ein Schild, dass uns zu einem kleinen Cafe führt.

Ein sehr schönes Cafe. Wir sitzen direkt an der Hauptspree und stärken uns beide mit einer kleinen Mahlzeit.

Kira macht sich fofort bei der Kellnerin beliebt und als Dankeschön für das Essen gibt Kira ihr anständig das Pfötchen. Die anwesenden Gäste amüsieren sich prächtig. Sehr nette Bedienung und auch faire Preise.

 

Jetzt geht es aber weiter für uns. Um unser nächstes Ziel „Köthen“ zu erreichen, war der Plan uns durch den Inneren Unterspreewald zu schlagen.

Was ganz gehörig schief gegangen ist.

Kurz nach Schlepzig kommt ein Weg, der für mich als Wanderweg daher kommt. Als wir ca. 1,5 Km hinter uns haben, erkennen wir leider das wir in eine Sackgasse gelaufen sind. Wir stehen plötzlich an einer alten Hütte genau zwischen der Hauptspree und dem Zerniasfließ. Über beide Flüsse ist absolut kein rüber kommen.

Ich hatte aber auch gar kein Bock umzudrehen und die ganze Strecke wieder zurück zu laufen. Also gehen wir beide ans Ufer der Hauptspree und warten bis ein Kanu vorbei kommt. Was auch nicht allzu lange dauert.

Das Pärchen in dem Kanu wollte uns jedoch leider nicht auf die andere Seite des Ufers bringen.

Im Endeffekt ist genau das passiert, was ich vermeiden wollte - Auf der falschen Seite der Hauptspree zu laufen. Laut der Karte war für mich eigentlich klar, dass ich mich immer links von ihr halten muss. Naja…..falsch gedacht. Also heißt es für uns umdrehen.

Wir gehen aber nicht auf dem Weg zurück, sondern halten uns am Zerniasfließ. In der Hoffnung das irgendwo eine Brücke auftaucht. Was natürlich nicht geschieht.

Als ich mich noch über mich selbst ärger, wird mir klar das wir jetzt einen sehr unangenehmen Weg gehen müssen um nach Köthen zu gelangen. Denn uns bleibt jetzt nichts anderes übrig, als direkt an einer Landstraße entlang zu laufen. Was nicht nur nicht schön ist, sondern auch etwas gefährlich.Gerade in den Kurven gehen wir sehr vorsichtig an die Sache heran.

Da wir durch unserem Verlaufen gute anderthalb Stunden verloren haben, müssen wir jetzt auch unseren Plan überdenken.

Auf dem Weg nach Köthen, stehen wir vor den Toren des Örtchens Krausnick. Wir haben es mittlerweile 17:30 Uhr und der Köthener See als Nachtlager wird wohl schwer zu erreichen sein. Also kurze Pause vor Krausnick und mal die Umgebung checken.

Hier treffen wir auch auf einem älteren Herrn, mit dem ich ein nettes Gespräch führe. Ich schätze der gute Mann war Mitte 60 und er hat mir ein bisschen von seinen Erlebnissen erzählt.

Zum Beispiel, dass er mal vom Fichtelgebirge bis in die Alpen gewandert ist. 3 Wochen hat er dafür gebraucht. Respekt!

Als er sich wieder mit seinem Rad davon macht, gehen auch wir weiter. Mittlerweile sind wir ein gutes Stück von der Hauptspree entfernt.

Entweder laufen wir jetzt einen Umweg Richtung den Ort Unterspreewald, oder Querfeldein durch einen rieseigen Wald.

Da der Umweg bedeuten würde, wieder den größten Teil an einer Landstraße zu laufen, entscheiden wir uns für den Weg durch den Wald. Manchmal kommt es eben anders als man denkt.

In Krausnick entscheide ich mich auch zu Abend zu essen. Denn ich habe keine Ahnung ob wir es noch bis nach Köthen schaffen. Vor allem, ob dann in Köthen noch ein Restaurant offen hat.

Das Essen im Landhotel Krausnick war gut und die Bedienung sehr zuvorkommend. Trinken für Kira wurde uns sofort angeboten. Erlebt man leider zu selten.

Frisch gestärkt geht es für uns beide jetzt Richtung Waldweg. Mein Handyempfang hier ist nicht der beste und ich habe nicht wirklich Ahnung wo wir lang müssen.

Ich hoffe einfach mal auf eine genauso gute Ausschilderung wie zwischen Lübben und Schlepnitz.

Die gibt es zwar nicht sofort, jedoch im Wald an jeder wichtigen Kreuzung. Somit ist verlaufen eigentlich gar nicht möglich.

Langsam werden aber auch die Beine müde. Als ich mal wieder guten Empfang habe, sehe ich das vor Köthen noch einige Seen kommen, die sich super als Nachtlager eignen können. Also machen wir uns beide auf die Suche.

Was gar nicht so leicht war. Denn laut Karte lagen die Seen nicht direkt am Waldweg. Als ich die Hoffnung schon aufgegeben habe und wir uns auf dem Weg in den Wald befinden um dort unser Lager aufzuschlagen, sehe ich etwas schimmern. Na schau an. Da ist doch einer der Seen. Und es führt auch direkt ein Weg um ihn herum.

Leider ist es nur so, dass das Ufer sehr steil ist und wir somit nicht unser Zelt aufbauen können. So heißt es weiter gehen und hoffen das doch noch eine geeignete Stelle kommt.

Am anderen Ende haben wir auch Glück.

Wir finden hier eine kleine Bootsanlegestelle und so etwas wie einen „Strand“.

Ich bezweifele aber, dass hier irgendjemanden Baden geht. Mal abgesehen von Kira natürlich.

Die ist immer noch fleißig am schwimmen und erkunden. Wenn es nach ihr geht, könnten wir wahrscheinlich noch die ganze Nacht durchwandern. Mir reicht es jedoch.

Ich habe eine schöne Stelle direkt am Ufer gefunden.

Die Boote scheint auch schon lange keiner mehr angerührt zu haben und somit denke ich mir, dass wir hier morgen früh nicht von Touristen überrascht werden.

Als das Zelt aufgebaut ist, sammeln wir beide fleißig Holz für unser Lagerfeuer.

Und als es langsam dunkel wird, zünde ich dieses an und wir lassen beide den Tag entspannt ausklingen.

 

Die Nacht ist leider sehr anstrengend. Kira kommt aus irgendwelchen Gründen überhaupt nicht zur Ruhe.

Jedes kleine Geräusch wird mit Knurren oder Bellen quittiert. So schlimm war es bisher noch nie.

Das heißt natürlich auch für mich sehr wenig Schlaf.

Was sich an der Müdigkeit am nächsten Morgen wiederspiegelt. Als wir unsere Sachen gepackt haben, machen wir uns als erstes auf dem Weg nach Köthen. Schon nach wenigen Metern sehen wir ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Köthen 2Km“.

Toll, die hätten wir gestern Abend auch noch gepackt. Egal….Unser Nachtlager war trotzdem mehr als schön.

In Köthen angekommen, musste ich leider feststellen dass es keinen Bäcker gibt. Auch das Ortsansässige Restaurant hatte morgens um 6 Uhr noch nicht geöffnet. Das heißt für mich weiter ohne Frühstück.

Da das nächste Etappenziel Märkisch Buchholz heißt, aber kein Problem. Dort wird es schon was zu Essen geben.

Vor allem sind wir dann auch wieder an der Hauptspree. War das nicht das eigentliche Ziel dieser Tour?

Leider müssen wir sehr schnell feststellen, dass der Weg nach Märkisch Buchholz wieder über eine Landstraße führt. Nach gut 500 Metern habe ich dann auch keine Lust mehr diese Straße weiter zu laufen. Ich mache mich mit Kira in den angrenzenden Wald und unser neues Ziel heißt nun Oderin.

Von der Hauptspree haben wir uns mittlerweile sehr weit entfernt. Eigentlich geht diese nördlich vom Köthener See weiter. Aber irgendwie habe ich das völlig verplant.

Es ist schade, dass es nicht so geklappt hat wie geplant, aber wir lassen uns die Laune nicht vermiesen.

Dann nehmen wir halt auch die schönen Wälder im Spreewald mit. Nach Oderin sind es gut 6 Km.

Da es dort ein Bahnhof gibt, bin ich guter Dinge das wir auch etwas zu Essen finden.

 

Der Weg nach Oderin zieht sich ganz schön hin. Es ist ein schöner Wald, aber der Waldweg ist unangenehm zu laufen. Viele kleine und zum Teil spitze Steine, ebnen diesen Weg. Dafür werden wir kurz vor der Ortschaft mit schönen Blicken auf die anlegende Landschaft belohnt.

In Oderin angekommen stellen wir dann fest, dass es hier weder einen Bäcker noch ein Restaurant gibt.

Der Magen knurrt schon gewaltig und jetzt noch weiter in das nächste Dorf laufen, in der Hoffnung dort etwas zu Essen zu finden, ist gerade nicht verlockend.

Da wir auch nicht mehr auf der vorgesehenen Route Wandern entscheide ich mich kurzer Hand den Heimweg mit der Bahn anzutreten. Gute 30 Km vor dem eigentlichen Ziel.

Ich bin zwar etwas enttäuscht, dass es nicht so abgelaufen ist wie geplant. Aber im Großen und Ganzen haben wir trotzdem eine schöne Tour hinter uns.

Kira hatte eine Menge Wasser, in dem sie schwimmen konnte und ich jede Menge Gelegenheiten schöne Fotos zu schießen.

Wir haben ein richtig schönes Plätzchen für unser Nachtlager gefunden und es uns am Feuerlager gemütlich gemacht.

Es wurden keine vollen 2 Tage, aber trotzdem 1 ½ Tage die wir in guter Erinnerung behalten werden.

Der Spreewald wird uns auf jeden Fall wieder sehen.


Anfahrt

Wanderroute


Bilder