Barnim - Uckermark Tour


Februar 2016. Keine Minusgrade, kein Schnee....Zeit für einen Campingtrip!

 

Wir haben einige Tage damit verbracht, uns eine schöne Strecke raus zu suchen. Was angesichts der Vielfalt gar nicht so einfach war.

Nach langem überlegen, entschieden wir uns für eine Strecke, die wir so ähnlich schon einmal gelaufen sind.

Eigentlich nur aus einem Grund: Mir ist damals ein See beim vorbei laufen ins Auge gestochen, den ich einfach nicht aus dem Kopf bekomme. Dieser war/ist so ruhig und abgelegen, dass ich da unbedingt das Nachtlager aufschlagen wollte.

 

Das Ziel war also klar und die grobe Route im Kopf. Wie es jedoch manchmal so im Leben läuft, wurde aud dem Trip ein größeres Abenteuer, als wir eigentlich wollten.


 

Erst einmal, mussten wir irgendwie in die Nähe kommen. Da wir länger geschlafen hatten, als wir eigentlich wollten, war es mittlerweile schon mittags.

Jetzt noch mit der Bahn zu fahren, würde nur mindestens weitere 2 verlorene Stunden bedeuten.

Angesichts der Tatsache, dass es früh hell wird, also keine Option.

So entschieden wir uns für die einfachste Variante und haben uns ganz bequem mit Auto dorthin kutschieren lassen. Die Fahrt ging bis an die ungefähr eine dreiviertel Stunde entfernte Autobahnabfahrt „Joachimsthal in der Nähe des Grimnitzsees.

 

Ich war mir ziemlich sicher, dass ein Blick vorher auf Google Maps schon reichen wird, um sich zu Recht zu finden. Ein klein wenig kannten wir uns hier ja schon aus, da wir vor 3 Jahren eine ähnliche Tour gemacht haben.

Es gab zwar den See als Ziel, jedoch keinen wirklichen Plan wie wir diesen erreichen. Nur eine grobe Richtung.

Wie uns sehr schnell klar wurde, hat sich meine Wenigkeit bei seinen vorherigen Recherchen doch um ein paar Breitengrade geirrt.

Aber was soll`s?! Dann gehen wir halt einen unbekannten Weg und werden unser Ziel schon irgendwie finden.

 

Unmittelbar nach der Autobahnausfahrt, ist direkt ein Feldweg der sich prima als Startposition eignet

Also hieß es alles ausladen, Kira in die Freiheit zu lassen und den Rucksack auf den Rücken zu schnallen.

Um auf unsere gewünschte Wanderroute zu kommen, mussten wir erst einmal Althüttendorf durchqueren. Schon hier haben wir das erste Mal eine Abzweigung zu früh genommen und uns das erste Mal verlaufen. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben.

Nachdem wir uns nun plötzlich auf einem riesigen Feld wiederfanden, musste dieses irgendwie durchquert werden. Ein wenig mulmig war mir schon dabei.

Wird dieses Feld gerade beackert? Ist der Bauer irgendwo in der Nähe und macht mir die Hölle heiß?

Aber egal. Umdrehen war keine Option und wir überquerten das Feld im großen Tempo.

Abgesehen davon, dass Kira sich noch kurz entschloss ein Reh zu jagen, ging alles glatt.

 

Wir waren also wieder auf unserer Ursprünglich vorgedachten Strecke und konnten unsere Reise fortsetzen.

Der Wanderweg liegt parallel zur Autobahn und in unmittelbarer Nähe zum Grimnitzsees.

Wenn man sich die Geräusche der vorbeifahrenden Autos wegdenkt, eine wirklich schöne Strecke.

Nach ein paar hundert Metern führt der Weg glücklicherweise weg von der Autobahn und rein in das Waldgebiet.

Begeistert von der schönen Aussicht, hat sich das Herrchen hier gleich wieder verlaufen. Diesmal haben wir unsere Abzweigung verpasst und mussten uns dann irgendwie durch den Wald schlagen.

Da ich irgendwann so verwirrt war und die Internetverbindung nicht ausreichte um sich auf Google Maps zu Recht zu finden, entschied ich mich dafür mir einen Kompass zu besorgen.

Da gerade rein zufällig kein Outdoor Shop in der Nähe war, musste ich mir einen auf mein Handy laden. Schönen Gruß an den mobilen Datenverbrauch.

Aber da wir auch recht spät losgefahren sind und noch ein weiter Weg vor uns lag, musste eine Peilung her.

 

Nachdem wir nun endlich wussten wo Norden war, konnten wir unseren Trip nun fortsetzen.

Wie es manchmal so ist mit den Umwegen, so hat auch dieser uns an einen schönen Ort geführt, den wir sonst nicht gesehen hätten.

So landeten wir an einen kleinen Teich in einem Waldabbaugebiet. Schön ruhig mitten im Wald gelegen, bietet dieser sich perfekt für eine Rast an.

Kira hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, sich eine Abkühlung zu gönnen, während ich mir überlegte wo lang wir jetzt weiter wandern.

Glücklicherweise, konnte Google Maps meine Position wieder orten und wir hatten die nächste Peilung.

Das kleine Örtchen Glambeck lag genau Nördlich von dem Waldgebiet, in dem wir uns befanden und sollte uns als nächste Zwischenstation dienen.

 

So ging es weiter durch den sehr idyllischen Wald und Kira hatte sichtlich ihren Spaß.

Überall kleine Teiche und jede Menge Natur zum er schnüffeln. Ich hingegen, war mit den Augen mehr auf den Kompass fokussiert, da es mittlerweile 16 Uhr war und noch ein ganz schön weiter Weg vor uns lag.

Nach ca. einer halben Stunde gelangten wir von dem Waldweg auf eine kleine Landstraße. Also vorsichtshalber noch einmal ein Blick auf die Karte werfen, ob wir uns schon wieder verlaufen haben.

Doch dieses Mal hatten wir Glück und waren auf dem richtigen Weg.

Da ich nicht wusste wie stark die Landstraße befahren ist, nahm ich Kira lieber an die Leine.

Glambeck war auch schon recht schnell erreicht und hatte abgesehen vom Glambecker See nicht wirklich viel zu bieten. Wir machten an dem See eine kleine Pause um zu verschnaufen. Was bedeutet, dass ich mich ausgeruht habe und Kira schwimmen gegangen ist.

Dieser Hund findet einfach keine Ruhe.

 

Nachdem wir Glambeck passiert hatten, ging es weiter auf der gleichen Landstraße die uns schon hier her geführt hat, um dann wieder in einem Waldweg abzubiegen.

Das eigentlich sehr kurze Stück, zog sich ungemein lange hin. Wahrscheinlich, weil es mit der Autobahn direkt neben uns, einfach zu weit weg von purer Natur war.

Aber egal. Als wir dann endlich wieder im Wald waren, bot sich uns das gewohnte Bild und Kira konnte wieder frei ihren Sinnen nachgehen.

So ging es für uns also weiter den Waldweg entlang und laut Karte, mussten wir die nächste Möglichkeit rechts einbiegen.

Langsam hat das Herrchen die Route auswendig im Kopf und wir haben uns glücklicherweise nicht noch einmal verlaufen.

Unser einziges Problem war jetzt die Zeit. Wenn wir unser Ziel noch vor der Dunkelheit erreichen wollten, mussten wir uns jetzt ordentlich sputen.

Während Kira immer noch durch die Gegend rannte, als wären wir erst 1 Km gelaufen, schwanden meine Kräfte langsam und ich sehnte mich unserem Ziel entgegen.

Konzentriert auf den Weg und völlig in Gedanken, fiel mir zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal etwas Interessantes auf.

Mal abgesehen von den beiden Ortschaften, sind wir auf der ganzen Strecke nicht einem einzigen Menschen begegnet. Keine Wanderer, Radfahrer oder Jogger.

Dafür das Wochenende war und wir ja auch nicht so weit weg von Großstädten, schon erstaunlich.

Doch eh ich mich tiefer in den Gedanken reinversetzen konnte, machte mir auch schon Kira einen Strich durch die Rechnung.

Die hatte nämlich gerade ein Herde Rehe im Wald entdeckt und wollte mal wieder einen auf Jäger machen.

Das fehlt mir ja gerade noch. So kurz vorm Ziel und der Hund verschwindet irgendwo im Wald.

Aber ein kurzes Bellen und ein paar Schritte auf die Herde zu, war zum Glück schon alles.

Nun waren wir also kurz vorm Ziel. Hinter dem nächsten Waldabschnitt lag unser See und meine Knie feierten schon eine Party.

Zumindest so lange, bis meine Augen ihnen mitteilten, dass sich da gerade ein schöner steiler langer Weg vor uns auftat. Einen kurzen Augenblick habe ich überlegt diesen zu umgehen. Da es aber schon dämmerte und ich keine Ahnung hatte wie groß der Umweg sein wird, musste ich wohl oder übel diese Passage überstehen.

Also schickte ich Kira zur Stöckchen suche und, gut erzogen wie sie ist, brachte sie mir eine gut geeignete Gehhilfe. Braver Hund.

Als wir den Berg erklommen haben, tat sich vor uns eine riesige Wildschweinsuhle auf.

Und ich meine wirklich riesig. Der ganze Waldabschnitt war komplett umgewühlt.

Ich hoffte nur noch dass sich das jetzt nicht bis zu unserem See hinzieht.

Denn das würde unserem Plan einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.

Mit so einem Wildschweinrudel möchte ich mich nicht anlegen. Doch wie wir schon bald sehen konnten, beschränkte sich die Suhle auf dieses Teilstück.

Der Weg führte jetzt wieder Bergab und wir konnten von weitem schon unseren See sehen.

 

Endlich da. Genau zum richtigen Zeitpunkt, bevor es duster wird.

Große Vorfreude und dann……ER IST ES NICHT!!!

 

Ich war mir so sicher dass es dieser See war und dann ist er es nicht.

Dem kurzen inneren Schreien folgte ein herzliches Lachen. Na gut….sind wir den ganzen Weg halt gelaufen und es ist nicht der richtige See. War trotzdem eine schöne Tour.

Dann fiel mir auf, dass es absolut unmöglich war hier das Zelt aufzuschlagen.

Zum einen weil ein kompletter Rundweg um den See geführt hat und zum anderen weil es keine ebene Fläche gab. Zumindest nicht am Ufer.

Dabei wollte ich doch unbedingt mein Lager am Ufer aufbauen. Die einzige Möglichkeit die uns blieb, war uns irgendwo am Rande des Weges nieder zu lassen.

Uns ist hier zwar noch kein Mensch begegnet, trotzdem eine blöde Idee. Das letzte was wir brauchen ist eine Strafe wegen Wildcampen.

Also ging es erst mal weiter, schleunigst eine geeignete Stelle finden. Ich hatte im Kopf, dass direkt neben dem See noch ein weiterer war und ich warf nochmal schnell einen Blick auf die Karte.

Ich hatte die Hoffnung, dass ich mich wenigsten nur um einen See vertan hatte. Nachdem wir nach einem kurzen Marsch angekommen waren, war jedoch auch diese Hoffnung zu Nichte.

Aber wenigsten bot sich dieser See besser an, um hier neugierigen Blicken fern zu bleiben.

Wir hatten auch schnell eine geeignete Stelle gefunden und ich baute im halbdunkeln das Zelt auf.

Nachdem wir beide unser Abendbrot gegessen hatten, war es auch schon Zeit schlafen zu gehen.

Als ich es mir dann gemütlich machen wollte, merkte ich dass ich doch Tatsache einen Ast unter dem Zelt übersehen hatte.

Da ich keine Lust hatte nochmal alles auf und abzubauen, sortierte ich alles so, dass wir beide halbwegs gemütlich liegen konnten.

Kurz vorm schlafen gehen, dachte ich mir es wäre besser mein Handy auszuschalten.

Durch das ständige überprüfen der Route, Fotos machen und Kompass benutzen, war der Akku schon etwas in Mitleidenschaft gezogen. Ein böser Fehler!

 

Denn am nächsten Morgen, fiel mir partout der PIN nicht ein. Es kam, wie es kommen musste und nach dreimaliger Falscheingabe, war die SIM-Karte gesperrt.

Da standen wir nun. Mitten im Nirgendwo, hatten keine Peilung und keine Ahnung wie wir jetzt unseren Abholdienst erreichen sollen.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als auf einen Waldweg zu gelangen und zu hoffen dass irgendwann ein Wegweiser kommt.

Wir hatten Tatsache so viel Glück, dass wir direkt an der ersten Kreuzung einen fanden. Nicht das uns die Namen der kleinen Dörfer irgendwas gesagt hätten, aber Templin klang doch schon mal ganz gut.

In Templin gibt es einen Bahnhof, von dem wir sicher wieder nach Berlin kommen. Einzig die Kilometeranzahl machte mir gewaltige sorgen.

Wieder einmal, wollten meine Knie nicht so wie ich wollte und ich wusste dass dieser Weg verdammt hart wird.

Da der Wegweiser noch kleine Ortschaften auf dem Weg anzeigte, war meine Hoffnung noch auf ein öffentliches Telefon zu stoßen.

Der Wanderweg zur ersten Zwischenstation Poratz, war wirklich super schön. Mystische Waldabschnitte, kleine Sumpfgebiete....alles was das Herz von Naturfreunden höher schlagen lässt.

Die Hoffnung in Poratz ein Telefon zu finden, war natürlich vergebens.

Nicht mal in Berlin findet man noch öffentliche Telefone. Warum also auf einen 20 Seelen Dorf mitten in der Uckermark?

Also was tun? Irgendwo klingeln und fragen ob ich mal das Telefon benutzen kann? Am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr?

Nein. Ich entschied mich dafür, dass ich soweit laufe, bis ich wirklich absolut nicht mehr kann.

Also ging es von Poratz weiter auf der Wanderroute nach Templin. Der letzte Wegweiser zeigte 23 Km an. Also ca. 4 Stunden Fußweg, wenn wir keine Pause einlegen.

 

Schon nach wenigen Kilometern humpelte ich mehr, als ich gelaufen bin. Der Waldweg auf dem wir uns befanden, schien absolut kein Ende zu nehmen und war noch dazu Mega langweilig.

Kira hatte definitiv nicht so viel Spaß wie am Vortag und schleifte eher Lustlos neben mir her. Sie hatte hier einfach viel zu wenig zu entdecken.

Irgendwann kamen wir an eine Kreuzung, die mir endlich mal wieder einen groben Überblick darüber gab, wo wir denn eigentlich sind.

Wir hatten jetzt die Wahl nach Templin zu gelangen ohne erkennbaren Zwischenstopp, oder nach Templin mit der Zwischenstation Ahlimbswalde.

Da ich keine Ahnung hatte wie lange meine Knie noch mitmachen, entschied ich mich für die Route über Ahlimbswalde.

Die Strecke war zwar um ein kleines Stück länger, aber ich wollte mir die Option offen halten dort vielleicht auf ein Telefon zu treffen.

Leider Gottes war Ahlimbswalde ein Dörfchen, das sich von der Größe und Anwohnerzahl nicht von Poratz unterschieden hat. Demnach gab es leider auch kein Telefon.

Wenigstens hat uns der nächste Wegweiser darauf hingewiesen, dass die nächste Ortschaft Temmen-Ringenwalde nur 1,3 Km entfernt liegt.

Aller guten Dinge sind 3 und wir machten uns voller Hoffnung auf dem Weg.

Zumindest wurde der Weg jetzt wieder etwas angenehmer und Kira konnte ein wenig toben.

 

In Temmen-Ringenwalde haben wir auch endlich ein schönes großes Dorf gefunden, in dem es mit Sicherheit irgendeine Möglichkeit geben wird zu telefonieren.

Nachdem ich mich die Dorfstraße entlang geschleppt hatte, als wäre ich seit Wochen unterwegs, sah ich auch endlich den ersten Menschen an diesem Tag.

Obwohl ich kurz überlegte, ob ich wirklich aufgeben und nicht doch weiter laufen möchte, entschied ich mich dann doch die junge Frau anzusprechen.

Mal abgesehen davon, dass ich es wahrscheinlich nicht bis nach Templin geschafft hätte, wusste ich auch nicht wann und ob dort heute noch ein Zug nach Berlin fährt.

Ich konnte ja aus bekannten Gründen nicht nachschauen.

Die Dame war sehr hilfsbereit und ließ mich freundlicher Weise telefonieren um mir meinen Abholservice zu bestellen.

Jetzt hieß es mindestens eine Stunde warten, bis dieser da ist.

 

Als ich im Nachhinein gesehen habe, wie schön die Strecke nach Templin eigentlich ist, habe ich mich schon etwas geärgert.

Aber noch mehr geärgert hätte ich mich, wenn wir uns immer weiter von Berlin entfernt und es dann doch nicht bis nach Templin geschafft hätten.

So bleibt eine unvollendete Tour, die wir so ähnlich jedoch schnellst möglich wiederholen werden.

Das nächste Mal mit etwas mehr Planung und einer klaren A nach B Strecke.

So dass selbst bei einem Ausfall der technischen Geräte ein sicherer nach Hause Weg gegeben ist.

 

Kira hatte auf der Tour eine Menge Spaß.

So viel Natur tut der Hundeseele immer gut und ist eine schöne Abwechslung zum öden Stadtleben.

Ich persönlich hätte mich über mehr Hunde auf der Wanderstrecke gefreut. Aber man kann nicht alles haben.

Im Gegensatz zu vor 3 Jahren, hat sich Kira dieses Mal auch besser bei der Übernachtung im Zelt gemacht.

Nicht jeder Tierlaut und jedes knacken wurde als potentielle Bedrohung angesehen und so hat auch sie ihre Portion Schlaf abbekommen.

Wir sind uns sicher um so öfter wir das tun, desto schneller wird sie sich daran gewöhnen.

 

Muss sie wohl oder übel. Ich werde die Gegend so lange bewandern, bis ich meinen See wiederfinde!!!

Wanderroute


Bilder